Chiavenna. Hauser and der Mera.
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Chiavenna, das stolz auf seinen alten lateinischen Namen "Clavenna" ist, war bereits
in römischer Zeit ein wichtiger Kreuzungspunkt von Verkehrswegen, die vom Comer See
heraufkommend auf die Alpen zuführten, um sie nach Rätien und dem Noricum hin zu überwinden.
Die ursprüngliche Ansiedlung lag, wie zahlreiche archäologische Funde beweisen, am linken Meraufer,
zu Füßen der Geröllablagerungen des Valcondria und der felsigen Erhebungen von Capiola.
Unter der Geländestufe Alpetto beginnt das ebene Schwemmland, das mäßig zum See hin abfällt.
Chiavenna war in nachkarolingischer Zeit mit seinen "Sperren" (Stadttore, Brücken) eine
Zollstation des Italischen Reiches. Kam man aus südlicher Richtung, betrat man den Ort durch das
Tor von Ardale (Reguscio), wo das Wegegeld erhoben wurde und gelangte zum "Canton". Vor 1848 gab es
die heutige Piazza Pestalozzi noch nicht. An ihrer Stelle stand ein Häuserviertel,
das später abgerissen wurde, um den Verkehr ins Splügental und ins Bergell besser regeln zu können.
Von hier konnte man, auch vor dem Beseitigen der Häuser, geradeaus zur Zollstation (dem heutigen Rathaus)
gelangen und dann das Städtchen durch das Pruina Tor auf der Merabrücke Richtung Bergell wieder verlassen.
Oder man wendete sich nach links über den Fluss und schlug die Straße durch das Stadtviertel
Oltremera zum Splügenpass ein. Gleich nach der Brücke, wo nach der Pest die Kirche
S. Rosalia erbaut wurde, mündete die Straße der Raschi ein, die Richtung Mese auf die
Via Francisca und zum Fórcolapass führte.
Längs der "mittleren Straße", dem Hauptverkehrsweg, der die Stadt von Süden nach Norden durchzog,
entstanden seit Beginn des 16. Jahrhunderts elegante Patrizierhäuser mit Handelsniederlassungen
im Erdgeschoss. An ihrer Rückseite öffneten sich Obst- und Gemüsegärten. Parallel dazu verlief die
"Päart de Póós" (Via Lena Perpenti, Agostiane, Novi) mit Bauernhäusern und Wirtschaftsgebäuden,
die sich vereinzelt bis zu den Berghängen hinzogen. Entlang der Mera lag das Handwerkerviertel
Bottonera mit den Kanälen Marmirola und Molinanca und zahlreichen Manufakturen. Die "mittlere Straße"
öffnete sich, bevor sie zum Priuna-Tor kam zur "Piazza Grande" (heute Piazza Castello) mit einem
Wohnsitz in kaiserlichem Besitz und dem späteren Palazzo der Balbiani.