S.Martino in Aurogo (11. Jh.), dahinter die 'Rundkirche' von S.Croce, ebenfalls aus dem 11. Jh.
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Die Kirche S. Martino wurde in Draöch (Aurogo) erbaut, an einer der beiden Straßen, die von Piuro zu den Alpenpässen hinaufzogen.
Im Mittelalter waren viele Kirchen längs der Verkehrswege, die zu den Passübergängen führten, dem Bischof
von Tour geweiht. Allein im Bergell gab es zwei weitere: eine in Puri (mit schönen Fresken aus dem 16.
Jahrhundert), das zur Gemeinde Villa di Chiavenna gehört und die andere in Bondo, auf der Schweizer Seite des Tals.
Die Kirche von Aurogo steht nun schon fast seit eintausend Jahren am linken Meraufer, wo der Fluss
schäumend und tosend, wenn er Wasser führt, zwischen riesigen Steinblöcken eines antiken Bergsturzes
zu Tal rauscht. Nahe der Apsis fließt auch die Orgina (Aurosina), die weiter unten in die Mera mündet.
Der ursprünglich romanische Bau bestand aus einem einzigen Raum, der an der Ostseite von einer
halbkreisförmigen Apsis geschlossen wurde. Diese Struktur blieb unverändert bis zu Beginn des 18.
Jahrhunderts, als man den Chorraum umgestaltete. Unter dem Hängewerk baute man Gewölbebögen, die
Fassade wurde vorgezogen und dem Turm angeglichen und an der Südseite setzte man ein kleines
Seitenschiff an mit einem Altar der Madonna del Càrmine. In den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts
konnten Fresken freigelegt werden, die heute zu den interessantesten in der ganzen Lombardei zählen.
An der Südwand sind Szenen aus dem Johannesevangelium dargestellt. Der Kirchturm besitzt fünf Reihen
doppelter Bogenfenster mit kleinen schlanken Säulen, die dem wuchtigen Turm seine Schwere nehmen und
seltene Eleganz vermitteln.
Am anderen Meraufer liegt die Kirche von S. Croce, die ebenfalls schon im 12. Jahrhundert erwähnt wird.
Man nennt sie die "Runde", weil sie ursprünglich einen runden Grundriß hatte mit einem halbkugelförmigen
Gewölbe. Später kamen zwei Seitenkapellen hinzu. In einer davon steht ein wertvoller Flügelaltar aus dem
Jahr 1499, geschnitzt und bemalt von dem deutschen Künstler Yvo Strigel aus Memmingen.
In der Nähe der Kirche, zwischen den Häusem, die sich an die alte Straße reihen, befinden sich eine
historische Weinkelter und das "Haus der Gerechtigkeit", das alte Gerichtsgebäude, das an Stelle des
1618 beim Bergsturz verschütteten Palazzo erbaut wurde. Seine Außenwände sind mit Inschriften und
Wappen der Bündner Machthaber bemalt, die hier seit den Vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts die
Gerichtsbarkeit ausübten.